Love Faith Monster (Ltd. Deluxe Edition)
Unheilig Format: Audio CD

Love Faith Monster (Ltd. Deluxe Edition)

Unheilig Format: Audio CD · ASIN: B0FQ56MBZG

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Unheilig Format: Audio CD
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Unheilig Format: Audio CD
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Für alle, die keine langen Texte lesen wollen: ganz klare Kaufempfehlung für diese wundervoll gestaltete, vielseitige, überraschende, berührende und kluge CD! Sie nur zu streamen wäre schade, dann entgeht einem das liebevoll gestaltete Artwork.Wie immer bei Unheilig handelt es sich um ein Konzeptalbum, bei dem es ein übergeordnetes Thema gibt und Songs, die aufeinander aufbauen. Sich davon nur Schnipsel rauszuziehen geht natürlich, aber dann entgeht einem eben auch das Konzept. Es wäre, als würde man bei einem Roman nur die Kapitel lesen, die die Liebesgeschichte vorantreiben oder nur die mit Mord- und Totschlag. Die Erzählung selbst ginge verloren.Den Rahmen setzt das Intro „Revolution“. Es ist eine innere Revolution, hier wird zum Umsturz im eigenen Leben aufgerufen. Man hört einen Patientenmonitor, einen Herzschlag, den ersten unheiligen Wumms, die ersten sehnsuchtsvollen Klänge … der Graf ist zurück. Und wie!„Liebe, Glaube, Monster“ – all das begleitet ihn zeitlebens, und nach fast zehn Jahren Pause hat er endlich die Kraft gefunden, davon auch wieder zu erzählen. 2014, als er das Ende von Unheilig ankündigte, war das nicht mehr möglich. Zu viel Druck von allen Seiten erstickte jede Kreativität, die naturgemäß Muße braucht, um sich hervorzuwagen und zu reifen. Der Befreiungsschlag des Mannes, der sich immer durch Musik die Welt erklärt hatte, hieß, diese Musik aufzugeben. Um sein Werk zu schützen, so sagte er es damals schon.Die musikalische Sprache stellte sich jedoch allmählich wieder ein, auch wenn es Jahre brauchte, und wie froh er selbst darüber ist, zeigt der Song „Liebe, Glaube, Monster“. Schnell treibt der Beat voran, geht in Beine und Blut. Der Graf lädt ein, sich in seinen Liedern wiederzufinden, und das hat ja schon von jeher bei vielen Menschen gut geklappt. Der Ton ist gesetzt.„Wunderschön“ war die erste Single-Auskopplung. Wenn es einen schlageresken Titel auf dem Album gibt, dann ist es der. In Kombination mit dem rockigen „Liebe, Glaube, Monster“ vorher funktioniert er aber wunderbar und ergänzt die andere Seite der Medaille: Ohne die „Freunde“, die Fans, könnte er niemanden willkommen heißen in seinem neuen musikalischen Leben. Der Graf konnte ja nicht wissen, ob er noch ein Publikum hat, und so ist dieses Lied auf der Suche nach so vielen Menschen wie möglich, die sich damit identifizieren können.Schon im nächsten Stück ist der Kontrast da – „Monster“ ist knallhart, ehrlich, zurück zu den Wurzeln. Dark Wave vom Feinsten und ein Befreiungsschlag für alle Fans (mich eingeschlossen), denen die Alben nach „Große Freiheit“ etwas zu gefällig waren. Melodien konnte er schon immer. Auf dem Album gibt es keinen Song, der nicht im Ohr kleben bleibt. Doch das Dunkle, Treibende bekommt wieder mehr Raum, auch in den Texten, und – mein Gott, ist das schön!Wieder Kontrastprogramm – „Du bist meine Heimat“ ist die Liebeserklärung an seine Frau, seine Gefährtin seit 51 Jahren. Eine starke Melodie, vorgetragen auf zärtlichste Weise. Der Mann hat nun mal eine Stimme, die alles kann, schreien und krachen und leise und verletzlich sein. Hier zeigt er Letzteres. Und es beweist, warum nur er seine Lieder so interpretieren kann, dass sie sich richtig anfühlen – weil er sie selbst fühlt.Das Schreien und Krachen holt uns wieder in die harte Realität außerhalb trauter Zweisamkeit: „Brot und Spiele“ rammsteint uns die Gesellschaftskritik in die Magengrube: „Schon die alten Herrscher wussten, wie es geht. Schauspiel für das Volk … Sie geben eurer Wut ein Ziel.“ „Und morgen geht das digital. Der Bildschirm wird, was die Arena war.“ – Unheilig at its best. Endlich wieder nicht nur Selbstreflexion, sondern der Blick wendet sich nach außen, hin zum Zeitgeist. Diese Stimme hat gefehlt, auch in den letzten unheiligen Jahren vor dem vorläufigen Ende.„Mein Löwe“ dreht den Blick erneut. Während sich draußen viele digital ablenken lassen und darüber ihr wirkliches Leben vergessen, verliert eine Person aus Krankheitsgründen langsam ihr Leben, die dem Grafen die wichtigste ist – seine Mama. Ausdrücklich ihr ist dieses Lied gewidmet, sie wird direkt angesprochen, und extra für sie gibt es diese Single auch haptisch, als dingliche Erinnerung von Mutter und Sohn. Die Melodien groß, das Gefühl tief, der vorweggenommene Abschiedsschmerz greifbar. Die Single konnte sie noch in den Händen halten, ein Glück.„Zwischen den Welten“ hat einen treibenden, poppigen Rhythmus und erzählt von einem Menschen, der sich nicht, wie sein Gegenüber, im Grau des Alltags verlieren will, sondern noch Ziele hat. Er will seine Kreativität ausleben.Wer das jedoch zunehmend verhindern könnte, ist die KI, der Endgegner jeder künstlerischen, menschlichen Schaffenskraft. „KI“ ist für mich der vielleicht stärkste Song des Albums, auf jeden Fall der düsterste, sowohl in der Aussage als auch in der Instrumentalisierung. Ein Meilenstein, so unheilig, wie es nur geht. Keine Reglementierung, keine Zensur im Kopf, sondern sagen, was Sache ist, eingekleidet in einer dystopischen Geschichte. Wuchtig, deutlich. „Zelluloid“ und „Moderne Zeiten“ und „Puppenspieler“ lassen grüßen.„Sonnenallee“ überrascht durch einen fast countryartigen Klang und ist für mich eine DER Entdeckungen des Albums. Das Ende des Lebens war schon immer ein Thema des Grafen, gepaart mit der Überzeugung, dass es eben nicht das Ende ist. Derjenige, mit dem er wehmütig und hoffnungsvoll durch seine „Sonnenallee“ mit den ewigen Bäumen geht, wird im Booklet namentlich genannt: Andreas Därmann, langjähriger Mitarbeiter von Universal und offenbar ein besonderer Mensch im Leben des Grafen. Jemand, der ihm künstlerisch und bei der Karriere zur Seite stand. Ein Mensch, keine KI, dessen menschliches Wirken auch nach seinem Ableben bleibt.Und schon kracht es wieder. „Böse Geister“ sind die Entscheidungen der Vergangenheit, deren Folgen einem jetzt noch ein schlechtes Gewissen und schlaflose Nächte bereiten. Will man die Geschichte weiterspinnen, könnte eine dieser Entscheidungen dazu geführt haben, eben nicht da gewesen zu sein, „als es wichtig war“, wie es in „Sonnenallee“ heißt. „Jede Entscheidung, die ich traf, ließ Geister frei, die ich nicht sah.“Der „Spiegel“, in den der Graf blickt, zeigt ihm das alles überdeutlich: „Fluch und auch Segen“ ist es, von diesem Spiegel reflektiert zu werden, denn es kann auch weh tun, wenn man die Alltagsmasken ablegt und sieht, was dahinter zum Vorschein kommt. Auch das eigene Alter kaschiert der Spiegel nicht, die eigene Endlichkeit. Wieder Dark Wave-Gefühl, Text und Melodie nisten sich ein. Große Empfehlung: Schaut euch das Video dazu an! Das Charaktergesicht des Grafen kann auch Pantomime, und auch dabei gibt es keine Tabus.Nachdem er sich mit den Geistern der Vergangenheit auseinandergesetzt hat, ist es Zeit für einen Neuanfang. „Nur ein kleiner Schritt“ ist nötig, doch man braucht jemanden, der einen dabei begleitet und einen auch vor den neidischen oder unverständlichen Blicken derer schützt, die sich in ihrer Komfortzone eingerichtet haben. Hier gibt es einen Kinderchor, der sehr viel Sinn macht, denn erstens hat der Graf selbst sich seit Kindertagen mit der Musik geholfen, und zweitens öffnet sich der Song als Mutmacherlied für jedes Kind, dem es heute noch so geht wie damals ihm. Ein Popsong im besten Wortsinn.„Photobuch“ ist fröhlich und von unbändigem Lebenswillen getragen. Der Refrain hat Ohrwurmqualität, doch sagte ich das nicht auch über die anderen Songs bereits?Konsequent führt dieses Lied zum Abschlusssong „Liebe“, denn viele der Fotos, die sich der Graf anschaut, haben mit Sicherheit auch mit seinen Eltern zu tun. Diese verband eine lebenslange Liebe, auch durch schwere Zeiten hindurch. Den Song durchzieht eine schmerzvolle, hoffnungsvolle, dankbare Melancholie, wie sie nur ein Unheilig-Song verkörpern kann. Die Melodie bestechend, eingängig. Ohne jeden Kitsch wird die Überzeugung formuliert, auch nach dem Tod – „unsere Liebe findet sich“.Und dann das instrumentale Outtro, welches das Intro wieder aufgreift. Eine melancholische Stimme, eine träumerische Melodie. Der Kreis schließt sich, wir haben tief in die Gräfliche Seele geblickt, und auch in unsere eigene.Darüber hinaus unglaublich interessant: die Demos, v.a. die „Frankenstein-Version“ von „KI“. Eigentlich ist das nochmal ein ganz anderes Lied, v.a. textlich, und zeigt: Ironie kann er auch. Wie sich die Lieder im Laufe der Produktion verändert haben, beweist, wieviel Herzblut und Arbeit in ihnen steckt. (Nochmal: Hau ab aus der künstlerischen Welt, KI!)Für mich hat sich erneut eine unheilige Welt aufgetan, eine Welt mit Mut zu klaren Ansagen, zu großen Gefühlen und zu einem Facettenreichtum, der sich in keine Schublade pressen lässt und trotzdem immer nach Unheilig klingt. Willkommen zurück, Graf!

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